Auch wenn es Lockerungen gibt, Corona geht am Immobilienmarkt in Wiesbaden nicht spurlos vorbei. Aktuell lässt sich jedoch noch nicht sagen wie langwierig und wie groß der Einfluss sein wird, zum aktuellen Zeitpunkt kann man nur spekulieren. Erkennbar ist, dass nach einigen Wochen ziemlichen Stillstands nun die ersten Objekte wieder an den Markt kommen. An den Angebotspreisen sind (noch?) keine Veränderungen zu erkennen. Manche prognostizieren nun aber schon das „Platzen der Immobilienblase“. Andere sehen durch die derzeitige Situation jedoch eher den Wert der eigenen vier Wände steigen, schließlich stellen diese derzeit ja den vermeintlich einzigen sicheren Rückzugsort dar. Grundsätzlich sind Immobilien in der privaten Nutzung aber immer verbunden mit langfristigen Überlegungen und Planungen, der Markt wird sich also weiter drehen…

Unter dem Titel „Wie viel wir künftig fürs Wohnen bezahlen“ erschien zu diesem Thema auch ein sehr interessanter Artikel in der FAZ. Dieser stellt die Situation sehr treffend dar, hier einen Auszug:

„…Eine aktuelle Auswertung von Empirica kommt zu dem Ergebnis, dass die Preise, die Verkäufer für Wohnungen und Ein- bis Zweifamilienhäuser verlangen, selbst  nach Beginn der Corona-Krise in Hamburg, München und Berlin weiter stiegen. Nur in Frankfurt ging es bergab. Natürlich müssen die Wunschpreise der Anbieter nicht den später tatsächlich gezahlten Verkaufspreisen entsprechen. Trotzdem ist festzuhalten, dass von einem flächendeckenden Rückgang der Preise keine Rede sein kann, eher ziehen sie weiter an. Lediglich die Mieten gaben etwas nach. Allerdings schränkt Reiner Braun, Geschäftsführer von Empirica, die Aussagekraft dieser Zahlen etwas ein: In den Monaten April und Mai, zur Hochzeit der Corona-Pandemie, wurden erheblich weniger Immobilien verkauft oder vermietet. „Auf den Markt kamen vor allem Objekte, von denen sich die Verkäufer sicher waren, dass sie die auch mitten in der Krise zu einem guten Preis loswerden.“ Insofern waren die angebotenen Immobilien im Schnitt hochwertiger als in den Monaten davor. Das dürfte ein guter Teil der Erklärung dafür sein, dass die Kaufpreise in drei der vier Städte nochmal stiegen. Zudem muss es Braun zufolge nicht zwangsläufig so bleiben, dass die Preise eher steigen denn sinken. Klar ist, dass Preise sinken, wenn das Angebot die Nachfrage übersteigt. Eine solche Situation dürfte im deutschen Immobilienmarkt allerdings erst dann einsetzen, wenn viele Finanzierungen platzen oder es gar zu Notverkäufen kommt. Das aber dauert immer ein paar Monate. Klamme Immobilienbesitzer konsumieren zuerst weniger: Vielleicht lässt sich ein Motorrad verkaufen, ein Urlaub absagen oder etwas Geld von den Eltern besorgen. Wenn das nicht reicht, werden die bedrängten Hausbesitzer mit ihrer Bank reden und versuchen, die Tilgung zu senken. Erst wenn auch das scheitert und die Bank auf stur schaltet, ist das Haus nicht mehr zu halten. „Deshalb werden wir erst an Weihnachten wirklich wissen, ob es zu vielen Notverkäufen gekommen ist“, vermutet Fachmann Braun. Obwohl also noch nicht feststeht, ob und in welchem Ausmaß die Preise in den nächsten Monaten fallen werden, ist schon jetzt klar, welche Segmente des Immobilienmarktes zuerst unter Druck kommen werden. Problematisch sind erstens die sogenannten Schrottimmobilien. Das sind beispielsweise unsanierte Häuser aus den fünfziger Jahren, die an einer vielbefahrenen Straße stehen. In einem boomenden Markt lassen sich auch solche Objekte zu guten Preisen verkaufen, das aber dürfte sich erstmal erledigt haben. Schwierig wird es wohl auch für Kapitalanleger, die eine hochwertige Immobilie für sehr viel Geld gekauft haben und darauf hofften, sie für noch mehr Geld weiterzuverkaufen. Die Rechnung dieser Spekulanten dürfte nicht mehr aufgehen. Mit diesen teuren Häusern und Wohnungen sind allerdings nicht jene exklusiven Luxusobjekte gemeint, die etwa russischen Oligarchen gehören. Bis solche Gruppen in Zahlungsschwierigkeiten kommen und deshalb die Preise fallen, dürfte es mehr als eine Corona-Krise brauchen. Eigentümer einer typischen Wohnung oder Doppelhaushälfte können sich ebenfalls freuen: Auch diese dürften zuallerletzt im Preis sinken. Da der Wunsch nach eigenen vier Wänden spätestens mit der Geburt eines zweiten Kindes enorm wächst, ist die Nachfrage quasi unauslöschlich. Eher steigt sie in Zeiten des Homeoffice weiter. Und ein Überangebot durch zu viele gebaute Häuser ist in diesem Segment nach wie vor nicht in Sicht. „Ein Preiseinbruch für selbstgenutzte Eigenheime ist am unwahrscheinlichsten“, prognostiziert Braun. Wenn überhaupt, könnte es regional zu Problemen kommen. Vor allem in Städten wie Ingolstadt und Wolfsburg lohnt ein genauer Blick. Sollten die großen Autohersteller und Zulieferer dort nämlich zehntausende Angestellte entlassen, könnte der Markt Empirica zufolge doch um 10 bis 15 Prozent einbrechen. Dank der zahlreichen Fördermilliarden und den zunehmenden Corona-Lockerungen sieht es danach allerdings nicht aus. Sollte es im Herbst nicht zu einem zweiten Lockdown kommen, steht zum Jahresende und vor allem im nächsten Jahr eher eine kräftige Erholung der Wirtschaft an. Gleiches gilt laut Immobilienverband Deutschland (IVD) auch für den Häusermarkt. Bei Eigentumswohnungen im Bestand rechnet dieser mit einem durchschnittlichen Preiswachstum von 4 bis 5 Prozent. Das sind zwar deutlich weniger als im vergangenen Jahr (8,3 Prozent), aber eben immer noch eine Steigerung weit oberhalb der Inflationsrate. Auch die Mietpreise für Bestandswohnungen werden demnach im bundesweiten Durchschnitt in diesem Jahr um 2,5 Prozent bis 3 Prozent zulegen. Das wäre nur geringfügig weniger als im vergangenen Jahr. Als Begründung führt der IVD an, dass sich „die Marktsituation nicht geändert hat. Es ist ein deutlicher Nachfrageüberhang sowohl nach Miet- als auch nach Eigentumswohnungen zu verzeichnen.“ Gegen Notverkäufe und sinkende Preise spricht auch, dass die allermeisten Besitzer ihre Miete auch in der Corona-Krise zahlen wollen. Eine repräsentative Umfrage ergab, dass nur 3,8 Prozent die Zahlung vorübergehend einstellen wollen. Auch die nach wie vor extrem niedrigen Bauzinsen legen nahe, dass die Banken nicht mit vielen platzenden Finanzierungen rechnen. Für ein Darlehen, das den Zins auf zehn Jahre festschreibt, werden derzeit grob 0,85 Prozent fällig. Das sind gerade einmal 0,15 Prozentpunkte mehr als unmittelbar vor der Krise. Fazit: Anders als bei gewerblichen Immobilien zeigt sich der Markt für Wohnimmobilien äußerst robust. In einzelnen Regionen und Segmenten könnten die Preise nachgeben – mittel- bis langfristig aber dürften sie weiter anziehen…“

Quelle:  https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/schneller-schlau/immobilien-und-corona-wie-viel-wir-kuenftig-fuers-wohnen-bezahlen-16832592.html?utm_source=pocket-newtab-global-de-DE